Kapitel 1: Begriffserklärung und Ziele

Kapitel 2: Beschaffung von Informationen und Kennzahlen

Kapitel 3: Gestaltung des Dashboards – Welche Rolle spielt Design?

Kapitel 4: Überprüfen des Dashboards – Iteratives Verbessern

3.3 Gestaltprinzipien – Die visuelle Wahrnehmung

Während wir uns im ersten Teil des dritten Kapitels mit grundlegenden Design-Entscheidungen und verschiedenen Gestaltungsstrukturen befasst haben, geht es in diesem Kapitel nun um die Gestaltprinzipien. Anhand von einfach nachzuvollziehenden Beispielen werden Ihnen diese die Kernelemente erfolgreichen Designs verdeutlichen:

In der Gestaltpsychologie wird die menschliche Wahrnehmung als Fähigkeit beschrieben, Strukturen und Ordnungsprinzipien in Sinneseindrücken auszumachen. Diese werden mit den sogenannten Gestaltprinzipien definiert. Sie liefern eine Erklärung, warum wir Grafiken als sinnvolle Gruppierungen und nicht als Anhäufung von Pixeln und Punkten sehen. Es gibt mehrere duzend Gestaltprinzipien – nachfolgend werden die wichtigsten 7 aufgezählt, die für die Gestaltung eines Dashboards eine Rolle spielen.

Prinzip der Ähnlichkeit

Elemente, die ähnlich sind, werden von unserer Wahrnehmung gruppiert und als zusammengehörig wahrgenommen. Gleichzeitig werden Elemente, die sich in ihren Merkmalen unterscheiden, als unabhängig voneinander wahrgenommen. Die Ähnlichkeit der Elemente kann sich in Farbe, Form, Größe oder Ausrichtung ausdrücken.

Prinzip der Nähe

Elemente, die räumlich nahe beieinanderliegen, werden als gruppiert und als zusammengehörig wahrgenommen.

Aus den Quadraten oben links entstehen vertikale Spalten. Rechts unten kommt nicht etwa das Prinzip der Ähnlichkeit zum Tragen, sondern das Prinzip der Nähe überwiegt. Es sorgt dafür, dass wir keine Spalten aus Kreisen und Quadraten sehen, sondern horizontale Zeilen aus zweierlei Elementen.

Prinzip der Fortsetzung

Sich überlagernde, einfache Elemente werden als ebensolche wahrgenommen und nicht als Zusammensetzung komplexer Einzelelemente. Elemente, die auf einer durchgehenden Linie angeordnet sind, werden von unserer Wahrnehmung als zusammengehörig interpretiert.

Prinzip der gemeinsamen Region

Elemente, die innerhalb einer gemeinsamen Region liegen, werden als zusammengehörig gesehen.

Nach dem Gesetz der Nähe werden diejenigen Punkte als gruppiert empfunden, die näher bei einander liegen. Sobald man einen Rahmen um die Elemente legt, ändert sich die Gruppierung.

Prinzip der Verbundenheit

Verbundene Elemente werden als Einheit wahrgenommen. 

Das Prinzip der Verbundenheit wirkt vor den Prinzipien der Nähe und Ähnlichkeit. Obwohl die zwei blauen Kreise näher beieinanderliegen und die gleiche Farbe haben, werden sie nicht als Gruppierung interpretiert. Das gleiche gilt für die Quadrate.

Prinzip des gemeinsamen Schicksals

Elemente, die sich gleichschnell in eine Richtung bewegen, werden als zusammengehörend wahrgenommen. Elemente, die sich gleichzeitig verändern werden ebenfalls als zusammengehörend wahrgenommen.

Prinzip der zeitlichen Synchronizität

Elemente, die zur selben Zeit erscheinen oder verschwinden, werden als zusammengehörig wahrgenommen.

3.4 Negativbeispiele

Bei der Gestaltung eines Dashboards sieht man sich stets der Herausforderung konfrontiert, viel Information auf begrenztem Raum unterzubringen. Zusätzlich muss diese Information auch noch leicht lesbar und sofort verständlich sein. Hier können sich schnell Fehler einschleichen, die später leider auf Kosten der Lesbarkeit und Gebrauchstauglichkeit des Dashboards gehen. Die folgenden Beispiele decken die häufigsten Fehler ab, die bei der Gestaltung gemacht werden und sollen ein Bewusstsein dafür schaffen, auf was es zu achten gilt.

Überschreitung eines einzelnen Screens

Wenn Daten voneinander getrennt präsentiert werden, können wichtige Beziehungen nicht erfasst werden. Dashboards mit mehreren Screens laufen Gefahr, unübersichtlich zu werden und können nicht alle Informationen stets auf einen Blick erkennbar darstellen.

Mit Peakboard haben Sie zwar die Möglichkeit, mehrere Screens mittels eines Intervalls hintereinander zu schalten, Sie sollten dieses Feature jedoch gezielt benutzen und sichergehen, dass wichtige Informationen, die stets im Blick des Nutzers sein sollten, nicht vorübergehend aus dem Blickfeld verschwinden.

Übermäßige Details und Präzision

Dashboards sollten ausschließlich high-level Informationen anzeigen, um einen schnellen Überblick zu ermöglichen. Sobald zu tief ins Detail gegangen wird, sind die Informationen nicht mehr schnell genug erfassbar und der Nutzer verschwendet seine Zeit damit, herauszufinden was für ihn wichtig ist und was nicht.

Unnötige Vielfalt

Wenn es darum geht, ähnliche Informationen (die sich lediglich durch ihre Werte oder Zustände unterscheiden) zu visualisieren, sollten sie auf die gleichen Controls zurückgreifen.

Es bringt keinen Vorteil, verschiedene Controls zu verwenden, die am Ende das gleiche visualisieren. Nehmen Sie lieber eine Reihe an Controls und unterscheiden Sie diese beispielsweise durch den Gebrauch unterschiedlicher Farben oder der Verwendung von eindeutigen Überschriften. Halten Sie Ihr Dashboard konsistent und bringen Sie Übersicht in die Gestaltung.

Ungeeignete Controls

In diesem Beispiel geht es darum, Werte, die nahe beieinanderliegen, zu vergleichen. In der oberen Variante wurde dafür ein Kuchendiagram genommen. Unschwer ist zu erkennen, dass manche Teile fast gleich groß aussehen. Mit dem bloßen Auge lassen sie sich nicht voneinander unterscheiden, sondern nur anhand der Beschriftung. Dies ist nicht der Sinn eines Diagrammes auf einem Dashboard. Entscheiden Sie sich für die korrekten Controls, die die Aussage der Daten untermauern.

Schlechte Anordnung der Informationen

Wie bereits im ersten Teil dieses Kapitels erwähnt, wird Ihnen oftmals nur beschränkter Platz für die Menge Ihrer Informationen zur Verfügung stehen. Sie sollten diese daher gut organisieren:

Nach Wichtigkeit geordnet, nach Leserichtung sortiert, nach einem Raster aufgeteilt und Elemente nach Ihrer Bedeutung angeordnet anstatt sie wild zu platzieren. Ansonsten wird Ihr Ergebnis ein überladenes Durcheinander.

Mit dem Anordnen der Controls bestimmen Sie auch die Reihenfolge, nach der das Dashboard gelesen wird. Die wichtigsten Informationen sollten prominent platziert sein. Informationen, die eine sofortige Aufmerksamkeit erfordern, müssen sich zusätzlich vom Rest abheben. Sollen Daten miteinander verglichen werden, ordnen Sie diese in räumlicher Nähe zueinander an.

Ungenügendes Hervorheben wichtiger Informationen

Beim Blick auf ein Dashboard sollten unsere Augen sofort die wichtigste Information erblicken. Auch dann, wenn diese Information nicht an der prominentesten Stelle des Screens platziert ist. Wenn jedes Element die gleiche visuelle Präsenz hat, hebt sich keines der Elemente hervor.

Über- oder untertriebener Gebrauch von Farben

Farben können effektiv eingesetzt werden, um Elemente hervorzuheben oder voneinander abzugrenzen. Wählen Sie die Farben sinnvoll. Sie sollen einen Mehrwert bieten und sich untereinander so stark unterscheiden, dass sie als einzelne Farbtöne klar erkennbar und zuordenbar sind.

Dies war der zweite Teil des dritten Kapitels des Peakboard Manifests. Lesen Sie im vierten und letzten Kapitel, wie Sie ihr Dashboard vor seiner Inbetriebnahme hinsichtlich seines Inhalts, seiner Gestalt und seiner Funktionalität überprüfen.

Viel Erfolg beim Dashboarding!

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